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Geschichte

18. Jahrhundert

Die Entwicklung des Klaviers seit Bartolommeo Cristoforis genialem Anstoß wurde im 18ten Jahrhundert von deutschen Klavierbauern aufgegriffen, welche die Fortentwicklung der Hammerklaviere maßgeblich geprägt haben. Zu ihnen gehören Gottfried Silbermann, Friederici, Zumpe, Stein und viele andere. Die einzelnen Etappen der Entwicklung führen zu den Grundlagen der Flügel und Klaviere. Die Klavierbauer probieren gleichsam die Tendenzen der Zeit aus und weisen so den folgenden Generationen den Weg in die Zukunft.



1700
Mechanik von Bartolomeo Christofori, Florenz (um 1700) - Bildrechte: Staatliches Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz, Berlin
In seiner Werkstatt in den Florentiner Uffizien entwickelt Bartolommeo Cristofori (*1655) ein Klavierinstrument, bei dem die Stärke des Tons über die Intensität des Anschlags verändert werden kann. Er verwendet dazu anstelle der Springer, mit denen die Saiten angerissen werden, lederbezogene Hämmerchen, die über eine Mechanik gegen die Saiten schlagen wie bei einem Hackbrett. Die neue Konstruktion erhält zunächst die Bezeichnung ‚Gravecembalo col piano e forte’, später abgekürzt zu ‚Piano forte’. Die Mechanik von Cristofori war bereits erstaunlich vollkommen.



1705
Bereits um 1700 gibt es in Deutschland das Pantaleon, ein großes mit Darm-Saiten bezogenes, von Pantaleon Hebenstreit erfundenes Instrument. Es wird in der Tanzmusik eingesetzt und das Spielen darauf mit einem Hackbrett verglichen. 1705 trat Pantaleon, in jener Zeit als bester Hackbrettspieler geltend, in Paris auf und hatte für seine Konzerte ein besonders großes Hackbrett mit fünf Oktaven Umfang bauen lassen.



1717
Pantaleon
Um 1717 entwickelt der Dresdner Christoph Gottlieb Schröter (*1699) angeblich aus dem so genannten Pantaleon das Modell eines Pianoforte, das er beim Dresdner Hof vorstellt. Die Mechanik ist einfacher als die des Bartolommeo Cristofori.




1725
Der Freiberger Gottfried Silbermann, bekanntester Orgelbauer des 18. Jahrhunderts, baut, vermutlich parallel zur Orgel der Dresdner Frauenkirche, die ersten deutschen funktionsfähigen Hammerklaviere.



1729
Der Leipziger Organist und Thomaskantor Johann Sebastian Bach bemängelt die Schwäche des Tons im Diskant und die allzu schwere Spielart. Mit Silbermanns weiteren Arbeiten, die später auch die Anerkennung Bachs finden, verlagert sich ein Schwerpunkt der Entwicklung des Pianofortebaus nach Deutschland.

   

1742
1742 baut Johann Socher in Sonthofen das älteste heute bekannte Tafelklavier in den Maßen der damals beliebten Clavichorde. Ein Jahrzehnt später fertigt Christian Ernst Friederici in Gera Tafelklaviere in Serie, die er ‚fortbien’ nennt. Schon 1745 hatte Friederici einen senkrechten Flügel mit der Bezeichnung ‚Pyramide’ konstruiert.
 
 
 
1753
Carl Philipp Emanuel Bach (*1714) veröffentlicht als ‚Capellbedienter’ am Hof des preußischen Königs 1753 seinen „Versuch über die wahre Art Clavier zu spielen“, in dem er noch dem Clavichord den Vorzug gibt, wenngleich er die ‚neuen Forte piano’ lobend erwähnt. Später wird das Pianoforte für den Bach-Sohn das Tasteninstrument, auf das sich das Ideal des italienischen Gesangs am besten übertragen lässt. Carl Philipp Emanuel Bach wird damit zum Begründer der eigentlichen Klaviermusik, auf den sich Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven berufen werden.





1770
Prellmechanik von Johann Andreas Stein, Augsburg (um 1770)
Der Augsburger Klavierbauer Johann Andreas Stein entwickelt um 1770 eine neue Mechanik, bei welcher die Hammer mittels gabelförmiger Halterungen auf den Tastenhebeln gelagert sind. Diese stetig verbesserte Prellmechanik mit so genannter einfacher Auslösung, die auch ‚Wiener Mechanik’ genannt wird, bildet die instrumententechnische Grundlage für die Klaviermusik der Wiener Klassik und wird noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein gebaut.



1782
Der Musiker Johann Andreas Streicher, ein gebürtiger Stuttgarter, begleitet seinen Freund, den desertierten Regimentsarzt und Dichter Friedrich Schiller, auf dessen Flucht von Stuttgart nach Mannheim. Beide verbrauchen dabei Streichers Barschaft. Streicher schlägt sich erst in Mannheim, dann in München als Klavierlehrer durch und heiratet 1794 die Pianistin und Klavierbauerin Nannette Stein in Augsburg, die Tochter von Johann Andreas Stein. Mit ihr zusammen gründet er in Wien die Klavierfabrik "Nannette Streicher, neé Stein", die unter dem Namen "Johann Baptist Streicher & Sohn" bis 1896 besteht.



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